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April 1945 - Die Amis kommen - das Kriegsende in Burgbernheim

Nachstehenden Bericht über die Ereignisse in und um Burgbernheim im April 1945 brachte die  Windsheimer Zeitung  vom 28./29. Mai 1992. Er beruht auf Berichten, die der damalige Verwaltungsbeamte Oberinspektor Karl Sigg und der damalige Bürgermeisters Hans Lehnbeuter 1951 niedergeschrieben haben. (Stadtarchiv Burgbernheim A 596).

Die Originalberichte können hier heruntergeladen werden:

Bericht des damaligen Bürgermeisters Hans Lehnbeuter (PDF, 8 Seiten)

Bericht des damaligen Verwaltungsbeamten Oberinspektor Karl Sigg (PDF, 9 Seiten)

Bericht des Oberinspektor Karl Sigg über seinen Rundgang am 25. April 1945 (PDF, 5 Seiten)

 

BURGBERNHEIM — Im Frühjahr 1945 neigte sich der Zweite Weltkrieg seinem Ende entgegen. Die alliierten Streitkräfte, die den Rhein überquert hatten, drangen unaufhaltsam immer tiefer in das Herz Deutschlands vor. Die zur Verteidigung angetretenen deutschen Truppen, hoffnungslos unterlegen, kämpften mit dem Rücken zur Wand. In der ersten Hälfte des letzten Kriegsjahres rückte die Front auch immer näher an den Marktflecken Burgbernheim heran. 

Um den 21. März herum setzte der Rückstrom der deutschen Fahrzeugkolonnen ein, der bis zum 7. April anhielt. Weil es den Einheiten an Betriebsstoff und Pferden mangelte, mussten seinerzeit viele Bauern ihre Pferdegespanne abgeben. Die Wehrmachtskolonnen rumpelten teilweise Tag und Nacht durch den Ort. Nachdem sich die deutschen Kampftruppen auf der Linie Ulsenheim - Gollhofen - Herbolzheim festgesetzt hatten, wurden diese Dörfer fast völlig zerstört. Auch Uffenheim kam nicht ungeschoren davon. Angesichts dieser Zerstörungen beschloss der damalige Burgbernheimer Bürgermeister und NSDAP-Ortsgruppenleiter Hans Lehnbeuter, alles in seiner Macht stehende zu tun, um seinem Ort ein ähnliches Schicksal zu ersparen. Entgegen eindeutiger Befehle ließ er an den Ortseingängen keine Panzersperren anlegen und keine Schützenlöcher für Panzerfaustschützen ausheben, sondern lediglich andeutungsweise Baumstämme, Holzstöße und Steine aufschichten, die den Verkehr nicht weiter behinderten. Im Raum Reichelshofen - Adelshofen -Schweinsdorf hatten Einheiten der Wehrmacht Stellungen bezogen. Für deren Artilleriebespannungen mussten die Burgbernheimer Landwirte weitere Pferde abstellen. Auch der gemeindeeigene Bulldog samt Hänger, Fahrer Hans Zeller und Beifahrer Christof Baßler wurde vom Militär requiriert. Die beiden Gemeindearbeiter trafen nach einiger Zeit wieder wohlbehalten, aber ohne Traktor, in Burgbernheim ein. Auf Anordnung des Bürgermeisters wurden sämtliche Unterlagen der Ortsgruppe verbrannt und die Führerbilder, die Hitlerbüste sowie die Fahnen mit dem Hakenkreuz aus dem Rathaussaal entfernt und auf dem Dachboden der Roßmühle eingelagert. Am Ostersonntag, 1. April 1945 — die Amerikaner waren bereits in bedenkliche Nähe gerückt —, rief Bürgermeister Lehnbeuter die Bürgerschaft auf, sich um 20 Uhr zu einer öffentlichen Versammlung auf dem Marktplatz einzufinden. Eine Stunde vor Beginn der Zusammenkunft unter freiem Himmel empfing er nie Burgbernheimer Metzger, Bäcker und Einzelhändler im Rathaussaal und ersuchte sie, im Lauf der nächsten Tage alle Lebensmittel auch ohne Marken abzugeben. Auf dem Marktplatz gab Lehnbeuter den bedrückten Bürgern die allgemeine Lage bekannt, forderte sie zur Besonnenheit auf und wies nachdrücklich auf die Sinnlosigkeit jeglichen Widerstands hin. Dieser Aufruf war auch an die Adresse von zirka 60 Burschen der Hitlerjugend (HJ) im Alter von 13 bis 17 Jahren gerichtet, die mit ihrer Ausrüstung, darunter etwa 100 Panzerfäusten, im Herrenkellerschulhaus Quartier bezogen hatten. Der Bürgermeister ordnete an, dass Frauen und Kinder bei Fliegerangriffen oder Panzer- und Artilleriebeschuss in den Felsenkellern Unterschlupf suchen sollten. Ferner legte er den Leuten nahe, in den Gärten und öffentlichen Anlagen Splittergräben und Unterstände auszuheben. Bis auf einen Gegenruf stießen die Ausführungen und Anordnungen des Bürgermeisters auf den Beifall der Menge. 

Lehnbeuter blieb standhaft 

Zwei Tage später erschienen unangemeldet zwei Angehörige der Gestapo (Geheime Staatspolizei) in Lehnbeuters Dienstzimmer, warfen ihre Maschinenpistolen auf seinen Schreibtisch und stellten ihn wegen seines Vorgehens zur Rede. Der Bürgermeister blieb standhaft und nahm seine Anordnungen nicht zurück. Vielmehr gelang es ihm, seine ungebetenen Besucher davon zu überzeugen, dass es seine Pflicht als Bürgermeister sei, für die Sicherheit der Frauen und Kinder zu sorgen. Mit Sicherheit ersparte er so seinen Mitbürgern schweres Unheil und vermied sinnloses Blutvergießen auf beiden Seiten. Lehnbeuters Handlungsweise forderte zu diesem Zeitpunkt viel Mut, denn nur zu oft wurden in diesen Tagen Männer und Frauen wegen weit nichtigerer Anlässe von den Schergen der braunen Machthaber an Ort und Stelle kaltblütig als „Vaterlandsverräter" aufgehängt oder erschossen. 

Tieffliegerangriffe 

Mit dem Näherrücken der Front steigerten sich die Tieffliegerangriffe zusehends. Deswegen kam der Zugverkehr auf den Bahnstrecken im März und im April fast vollständig zum Erliegen. Ein Personenzug wurde auf dem Streckenabschnitt zwischen dem Bahneinschnitt des Himmelfahrtsbergs und dem Bahnposten von acht Jabos (Jagdbomber) attackiert. Mehrere Tote sowie einige Schwer- und Leichtverletzte waren die Folge. Ein weiterer Personenzug wurde auf Höhe der Steinbrüche bei Hilpertshof von amerikanischen Maschinen mit Bomben und Bordwaffen beharkt. Dieser Angriff forderte 20 Tote, zirka 60 Schwerverletzte und eine große Zahl Leichtverletzter. Die Piloten mähten auch die aus den Waggons flüchtenden Zivilisten mit Garben aus ihren Maschinenkanonen nieder. Schließlich hielt man auf der Strecke Treuchtlingen-Würzburg nur noch einen eingleisigen Zugverkehr aufrecht. Auf dem anderen Gleis wurden Güter- oder Personenzüge abgestellt, die des öfteren von Jabos bombardiert wurden. Die Tiefflieger verschonten auch Fuhrwerke und Kraftfahrzeuge nicht. Auf der Windsheimer Straße wurde ein Lastwagen in der Nähe des Transformatorenhauses von einem Flugzeug angegriffen und mehrfach getroffen. Die Insassen, die noch rechtzeitig im Straßengraben Schutz suchen konnten, kamen mit dem Schrecken davon. Am 15. April wurde der achtjährige Läutbube Wilhelm Klenk in der Rodgasse von einem Tiefflieger erschossen. 

Der Volkssturm rückte aus 

Auch in Burgbernheim stellte man eine Volkssturmkompanie auf, deren Mitglieder ab Oktober 1944 bis Kriegsende im Rahmen sonntäglicher Übungen militärisch ausgebildet wurden. Am Karsamstag des Jahres 1945 setzte sich ein Aufgebot von 25 Burgbernheimer Volkssturmmännern nach Marktbergel in Marsch. Sie trugen Zivilkleidung und waren mit alten Gewehren unterschiedlichsten Kalibers ausgerüstet. Gemeinsam mit 15 Marktbergler Volkssturmmännern mussten sie als „Stoßtrupp" eine Flakstellung bei der Kreuzung der Reichsstraße 13 (B 13) mit der Landstraße 2252 (B 470) besetzen, um dort den Feuerschutz für ein weiteres Volkssturmaufgebot, nämlich die rund 60 Hitlerjungen, zu übernehmen. Jeder Volkssturmmann erhielt zehn bis zwölf Schuss Munition. Die Kinder und Jugendlichen sowie die alten Männer sollten mit Panzerfäusten und alten Flinten die aus Richtung Uffenheim/Ochsenfurt gemeldeten amerikanischen Panzer aufhalten. Glücklicherweise kam es zu keiner Feindberührung. Bei Herannahen der Front setzten sich zahlreiche Männer und der Führer des Volkssturmbataillons aus der Windsheimer Gegend in südöstliche Richtung ab. Dadurch verloren der „Stoßtrupp" und die Hitlerjungen an der Kreuzstraße jeglichen Kontakt mit der Führung. Auf Anordnung des örtlichen Führers machten sie sich in Richtung Heimat davon. 

Die ersten Panzer 

Am Freitag, 13. April, wurden von Burgbernheim aus die ersten amerikanischen Panzer gesichtet. Um die Mittagszeit näherten sich sechs Kettenfahrzeuge im Schritttempo aus Richtung Buchheim und Schwebheim. Die Panzer umkreisten den Abhang des Irrsbergs und schoben sich am Spätnachmittag etappenweise über die Gemarkung Esselsee bis zur Brücke am Weikertswasen vor. Ein amerikanisches Aufklärungsflugzeug kreiste ständig über dem Vorgebiet. Nachdem die Panzer gegen Abend die Windsheimer Straße erreicht hatten, erschienen zusätzlich zwei Panzerspähwagen auf der Bildfläche. 300 Meter vor dem Bahnübergang bezogen die Amerikaner Kampfstellungen in Richtung Burgbernheim. Die beiden Panzerspähwagen näherten sich mit aufgesessener Infanterie in schneller Fahrt Burgbernheim. Bei der Ortseinfahrt Windsheimer Straße lief den Amerikanern der Schmiedemeister Michael Eckert in die Arme, der gerade im Begriff war, seine Feuerwehruniform in einer Feldscheune zu verstecken. Die US-Soldaten zwangen den verdatterten Schmied kurzerhand, auf eines ihrer „Scout Cars" aufzusitzen und ihnen den Weg zu zeigen. Vor dem Rathaus stoppten die Fahrzeuge, die Infanteristen sprangen ab und umstellten das Amtsgebäude. Als sie sich davon überzeugt hatten, dass sich niemand im Rathaus aufhielt, musste sie Eckert zur Privatwohnung des Bürgermeisters führen. Lehnbeuter befand sich allerdings mit seiner Familie in einem Splittergraben im Kellersgarten.

Festnahme des Bürgermeisters

Nachdem ihn der Schmiedemeister dort ausfindig gemacht und von der Lage in Kenntnis gesetzt hatte, machte sich der Bürgermeister auf den Weg in Richtung seines Hauses, wo er von den Amerikaner festgenommen wurde. Die Spähwagen fuhren nebst Infanteristen und Bürgermeister zurück zur Kampfstellung. Nach einer kurzen Lagebesprechung machten die Panzerfahrzeuge kehrt und rollten auf der Windsheimer Straße in Richtung Reichsstraße 13. Bürgermeister Lehnbeuter wurde nach Schwebheim in ein landwirtschaftlichen Anwesen gebracht, wo ihn ein Offizier der US-Armee mit Hilfe eines Dolmetschers einem mehrstündigen Verhör unterzog. Zwischenzeitlich hatten die Amerikaner die kriegsgefangenen Polen, die in Burgbernheim als Landarbeiter eingesetzt wurden, aus ihrer Unterkunft im ersten Stock des "Spritzenhauses" befreit und ihren Aufpasser gefangen genommen. Kurz vor dem Eintreffen der Panzerspähwagen feuerten die Panzer einige Granaten auf Burgbernheim ab. Dabei wurde der Landwirt Friedrich Wirth nahe der Molkerei durch Granatsplitter getötet. Ein deutsches Geschütz, das auf der Ermetzhöfer Höhe Stellung bezogen hatte, schoss über Burgbernheim hinweg auf US-Truppenteile hinter Hochbach.

Gebirgsjäger aus Innsbruck gingen in Stellung

In der Nacht vom 13. auf den 14. April bezogen Einheiten eines schweren Gebirgsjägerregiments aus Innsbruck Stellung im Bereich der Hauptkampflinie entlang der Bahnlinie Treuchtlingen-Würzburg. Im Keller des Markgrafenbaus beim Wildbad richteten die Gebirgsjäger einen Bataillonsgefechtsstand ein. Von dort verlegten sie Feldtelefonleitungen zu den Kompaniegefechtsständen im Steinbruch am Himmelfahrtsberg, im Henningerskeller und im Bahnposten oberhalb des Rückertstals. Zum Schrecken der betroffenen Besitzer nistete sich auch ein Zug Gebirgsjäger in verschiedenen Scheunen und Anwesen in Burgbernheim ein.

Burgbernheim unter Beschuss 

Am Samstag, 14. April, rollten gegen 17 Uhr amerikanische Panzerfahrzeuge mit aufgesessener Infanterie aus Richtung Mörlbach, Hochbach und Windsheimer Straße auf Burgbernheim zu. Die Infanteristen saßen zirka einen Kilometer vor der Ortschaft ab, schwärmten seitlich in Schützenlinie aus und bildeten so eine geschlossene Angriffswelle. Da sie auf keinerlei Widerstand stießen, war es für sie ein leichtes, von allen Seiten in Burgbernheim einzudringen. Bei dem aus Richtung Windsheimer Straße anrückenden US-Verband befand sich Bürgermeister Lehnbeuter. Er wurde bei Schmiedemeister Eckert abgesetzt. Die im Ort befindlichen Gebirgsjäger ergaben sich den Angreifern widerstandslos. Auch einige Wehrmachtsoffiziere, die sich zu diesem Zeitpunkt in Burgbernheim aufhielten, wurden gefangen genommen. Während der Erstürmung durch die Amerikaner wurde Burgbernheim von den Gebirgsjägern mit Granatwerfern unter Feuer genommen. Beschädigte Gebäude und verletzte Zivilisten waren die Folge. Bürgermeister Lehnbeuter, der bei seinem Verhör angegeben hatte, Burgbernheim sei frei von deutschen Truppen, geriet bei den Amerikanern in ein schiefes Licht. Obwohl er dem verantwortlichen Offizier klarzumachen versuchte, dass er vom nächtlichen Eintreffen des Gebirgsjägerregiments schließlich nichts gewusst haben könne, nahmen ihn die Amerikaner wieder mit nach Schwebheim. Am 17. April brachte der Einheitsführer Lehnbeuter persönlich nach Burgbernheim zurück und erlaubte ihm sogar bis auf weiteres seine Dienstgeschäfte auszuüben.

Unmittelbar nach der Teileroberung von Burgbernheim ließen die Amerikaner durch den Amtsboten Georg Schmidt bekannt geben, dass sämtliche Waffen samt Munition, Fotoapparate, Feldstecher und Hakenkreuzfahnen unverzüglich im Rathaus abzugeben seien. Ferner müsse jedes Haus mit einem augenfälligen Zeichen der Kapitulation in Form eines weißen Tuchs versehen werden. Noch während die Leute diesem Befehl nachkamen, deckten die Gebirgsjäger Burgbernheim erneut mit Granatwerferfeuer ein. Eine Granate krepierte auf dem Marktplatz. Ein US-Soldat wurde getötet und einige seiner Kameraden schwer verwundet. Nachdem alle Häuser durchsucht worden waren, erließen die Amerikaner ein Ausgangsverbot. 

Artillerieduell über die Dächer des Marktfleckens hinweg 

Im weiteren Verlauf der Kampfhandlungen trugen Deutsche und Amerikaner über die Dächer des Marktfleckens hinweg ein lebhaftes Artillerieduell aus. Es erwies sich als ein wahrer Glücksfall für Burgbernheim, dass sich Stabsoffiziere der Wehrmacht bei der Festlegung der Hauptkampflinie nicht für den Kapellenberg, sondern für die Bahnlinie am Fuße der Frankenhöhe entschieden hatten. Da der Ort nach der Gefangennahme der etwa 25 Gebirgsjäger nur noch Zivilpersonen beherbergte, sahen die Amerikaner von einem Bombardement aus der Luft ab. Ein Teil der Bevölkerung hatte in den Mühlen und in den Felsenkellern Zuflucht gesucht. Dies war in beiden Fällen keine gute Entscheidung. Die Mühlen wurden als erste Objekte vorn Feind besetzt und die Keller, die als Kompaniegefechtsstände und Stützpunkte der Hauptkampflinie dienten, lagen im Hauptfeld des Beschusses. Am Sonntag, 15. April, war Burgbernheim wieder feindfrei. Die US-Einheiten hatten sich wieder in ihre Ausgangsstellungen zurückgezogen. Doch um 17 Uhr kehrten sie zurück und drangen bis zur Äußeren Bahnhofstraße vor. Dieses Mal brachten sie im Rathaus nicht nur ihre Führungsstäbe unter, sondern richteten auch ein Hilfslazarett und eine Verpflegungsstelle ein. Das historische Gebäude diente den US-Streitkräften als Kommandozentrale für den Einsatz zur Eroberung und Überwindung der Frankenhöhe in diesem Frontabschnitt. Das Sperrfeuer, mit dem die deutschen Truppen den Markt erneut belegten, verursachte wiederum Sach- und Personenschäden. In der Nacht vom 15. auf den 16. April beschossen die Amerikaner die deutschen Stellungen aus allen Rohren. Ihre Gegner, die sich am Himmelfahrtsberg, im Taubennest, am Kniebrecher, im Prösselbuck und in anderen Gemarkungen der Burgbernheimer Flur eingegraben hatten, verfügten, wie sich später herausstellte, über große Mengen Munition.

Sturm auf deutsche Stellungen

Am Montag, 16. April, setzte die US-Infanterie in den Nachmittagsstunden konzentrisch von Burgbernheim, Steinach und Gallmersgarten  aus zum Sturm auf die deutschen Stellungen an. Die Gebirgsjäger lieferten den Angreifern ein mehrstündiges heftiges Gefecht. Als die Übermacht immer erdrückender wurde, gaben die Deutschen den Widerstand auf und zogen sich unter Zurücklassung von Waffen und Ausrüstung in südlicher Richtung zurück. Damit hatte die US-Armee den Steilabfall der Frankenhöhe überwunden. Nach viertägiger Unterbrechung kam der amerikanische Vormarsch wieder in Fluss. Über einen längeren Zeitraum hinweg rollten Tag und Nacht US-Konvois durch die Straßen von Burgbernheim in Richtung Steige. Während der Kampfhandlungen erfolgte auch ein Bombenangriff auf eine vermeintliche deutsche Stellung im Wäldchen beim Bahnposten. Dem beherzten Bahnbediensteten Geißberger gelang es, einen Waldbrand zu verhindern. Die tatsächliche Zahl der deutschen und amerikanischen Soldaten, die im Verlauf dieser vier schicksalsschweren Tage ihr Leben lassen mussten, ist nicht bekannt [Siehe unten].

HANS DIETHER HILDENSTEIN


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Fortsetzung: Die Amis sind da!

Die amerikanische Sichtweise (Das Buch "Endkampf", von Stephen G. Fritz in englischer Sprache, Google Books)

 

Kampf um das Wildbad (aus dem Bericht von Oberinspektor Karl Sigg,  1951)

Am gleichen Tag, an dem das Gefecht um die Frankenhöhe war, nämlich am 16.April 1945, eroberte eine amerikanische Stoßsäule, die den Tiefenbach aufrollte , das Wildbad Burgbernheim. Es war ebenfalls von deutschen Truppen besetzt. Wie bereits berichtet befand sich im Markgrafenbau der Bataillonsgefechtstand. Wildbadbewohner behaupten, es sei dort auch ein höherer Stab (Divisionsstab) untergebracht gewesen. Der Wildbadpächter Nützel will bis zu 250 Artillerieeinschläge um das Wildbad herum gezählt haben. Die Umgebung des Wildbads war ebenfalls mit Schützenlöchern ausgebaut, die bis zur Bergkante des Birkensumpfes reichten. Auch beiderseits der Steige auf der Höhe waren Schützenlöcher ausgehoben, um die Steige unter Feuer halten zu können. Verschiedentlich waren im Walde durch Fällen von kräftigen Bäumen Panzer und Fahrzeugsperren von deutschen Truppen angelegt, so an der Steige selbst und kurz vor dem Wildbadpavillon.

Die Kämpfe im Wildbad spielten sich nach Berichten von Augenzeugen (Wildbadpächter Nützel und Bankbeamter Max Merkel) wie folgt ab: Vom Tiefenbach her kamen Amerikaner, nicht übermäßig viele. Das Wildbad wurde von deutschen Truppen (wahrscheinlich den Stabsangehörigen) verteidigt, ebenfalls nicht viele Soldaten. Die beiderseitige Aufregung war groß. Ein deutscher Soldat suchte Schutz in der Wildbadscheune. Sie wurde von den Amerikanern in Brand geschossen und der deutsche Soldat mußte jämmerlich in ihr bzw. vor ihr verbrennen. In der Aufregung wußten die deutschen Soldaten manchmal nicht, wie und wohin sie Feuer geben sollten. So soll der deutsche Kampfleiter geschrieen haben: " Gebt doch obacht, damit ihr nicht unsere eigenen Leute erschießt!" Ein deutscher Soldat wurde vor dem Eingang zum Wirtschaftsbau schwer verwundet. Er lag auf dem Pflaster und verblutete. Er schrie jämmerlich um Hilfe. Die Amerikaner hatten unterdessen das Gebäude besetzt und Posten an den Fenstern genommen. Sie schossen auf jeden, er sich zeigte. Die Wildbadzivilbewohner hatten Zuflucht im Keller des Billardbaus gesucht. Nur nach langer Mühe (Winken mit der weißen Fahne) konnte der Wildbadpächter heraus und dem schwerverwundeteten Soldaten Hilfe bringen. Er wurde in den Billardbau geschleppt, wo er bald verschied. Die im Wildbad gefallenen drei deutschen Soldaten wurden von den Wildbadbewohnern in einem Ehrengrab ca. 50 m westlich vom Wildbad an der Tiefenbachkante bei der Wildbadwiese begraben. Außer der abgebrannten Scheune entstand kein Brand im Wildbad. Auch wurde es von den vielen Granateinschlägen verschont, bis auf das südöstliche Eck des Badhauses und ein Durchschuß durch die nordöstliche Ecke des Markgrafenbaues, wodurch die Stiege beschädigt wurde. Fensterscheiben waren teilweise zertrümmert.


Ein Zeitzeugenbericht (Leserbrief aus der Windsheimer Zeitung vom 15./16. April 1995)

Nachstehenden Brief hat die inzwischen verstorbene Anna Gleiß — sie wohnte früher mit ihrem Mann Johann in der Rothenburger Straße in Burgbernheim — im August 1945 an ihre damals in Leipzig wohnhafte Cousine Anna Botsch geschrieben. Sie schildert darin ihre noch frischen Erinnerungen an das Kriegsende in Burgbernheim. Iris Reuther aus Steinsfeld hat den Brief unserer Redaktion zur Verfügung gestellt.

Burgbernheim, August 1945

Meine liebe Anna!

Wir sind nicht wert Aller Barmherzigkeit und Aller Treue, die der Herr an uns getan hat. Mit diesem Lobpreis will ich heute meinen Brief beginnen. Der liebe Gott hat uns bisher beschützt und haben noch unser Heim, wo soviele Menschen nicht wissen wo sie übernachten sollen. Nun will ich Dir schildern, wie der Krieg über uns hinweggegangen ist. Der 14., 15. und 16. April wird uns unvergeßlich bleiben. Einen Tag zuvor waren die feindlichen Panzer schon in Bergtshofen, zogen sich aber seitwärts nach Mörlbach, Langensteinach. Es war wieder Ruhe. Am 14. April stieß ein Panzer vor bis Burgbernheim. Vorn an der Herrenscheune stand ein Panzer vier bis fünf Stunden und ein Aufklärer flog über uns hin und her, ganz tief und ganz langsam. Es wurde einem recht unheimlich. Im Dorf war kein deutscher Soldat. Jedoch im Wald hatten sie sich angesammelt und ihre Stellung genommen. Die Amis hatten ihre Stellung zwischen Burgbernheim und Hochbach und so wurde hin und her geschossen. 6 Granaten haben ganz in unserer Nähe eingeschlagen. Eine im Doktorgarten, eine im Langsgarten, zwei drüben an der Bahn und die anderen im Feld ganz nah. Da kam mein Geburtstag der 15. April. Mittag 1 Uhr war Frau Wittig bei uns. Da kam Marta und weinte, sagte Mutter geh heim, die Amerikaner kommen in Schützenlinie, lauter Infanterie. Sie ging heim und ich war neugierig und ging in die Schlafstube und sah schnell zum Fenster naus, und schon flogen die Glassplitter und die Kugel haarscharf an meinem Ohr vorbei in die Wand, gerade in Kopfhöhe. Ich legte mich auf den Boden und krabbelte raus in die Küche. Wir trauten nicht mehr im Keller und setzten uns ins Sofa. Dann gings los. In der Wohnstube schossen sie die große Figur vom Vertiko, den Spiegel durch das Holz in die Wand, zur Haustür rein in die Speise. Die Kugel blieb im Schränkchen stecken. Das untere Dorf wurde im Sturm genommen, da jedoch kein deutscher Soldat im Dorf war und kein Gegenschuß fiel, wurde es ruhiger. Wir hätten so gerne die weiße Fahne nausgehängt, vom Bahnhof rein kam SS. Dann hätten unsere das Dorf zusammengeschossen. Nachts lagen wir im Keller. Es fiel ein Schuß nach dem anderen. Artillerie. Den 16. hatte Bürgermeister den Ort übergeben. Noch eine Stunde, dann stünde nichts mehr von Burgbernheim. Die Amis wären mit Fliegern gekommen. Es wurde bekannt gegeben die weiße Fahne zu hissen. Die Amis hatten den Polizeidiener mit dem Auto rumgefahren, damit die Fahnen schnell hinausgehängt werden. Nun war es uns ganz leicht ums Herz, wir wußten es wird nicht mehr geschossen. Wir blieben dennoch nachts im Keller, nur Johann blieb in der Küche. Am anderen Früh halb sechs kamen zwei Amis. Es kommt Militär, die untere Wohnung frei machen. Alles oben nauf. Es warn ja bloß wir zwei. Die Betten hatten wir noch im Keller und die ganze Wäsche und Kleider auch. Möbel hatten wir drinlassen können. Sie sagten nur auf einen Tag frei machen. Dann kamen sie angefahren mit Auto zum Hoftor rein und es strömten lauter Amis. In der Wohnstube wurde ein Telefon eingerichtet, bis abends waren sie alle wieder weg und nur der Dreck blieb da. Sie waren aber alle sehr anständig. Nun haben wir die Zeit nach dem Kriege. Ich muß immer wieder denken, mich hat der liebe Gott besonders in Schutz genommen, da doch die Kugel am Kopf vorbeiflog. Nun will ich mich bemühen diesen Brief mit Rückwanderern oder mit Soldaten wenigstens nach Sachsen befördern zu lassen. Gute Menschen sorgen, daß er wieder weiter kommt. Und nun, wenn wir auch von Dir liebe Anna mit Schwester Ella ein Lebenszeichen erhalten würden. Seid beide herzlich gegrüßt von uns beiden.


Aus dem Bericht des Bürgermeisters Lehnbeuter

... An Militärpersonen fielen in hiesiger Gemeinde:

1.) Leutnant Allersberger aus Zell am See im Salzburgischen mit Oberschenkelschlagaderschuß,
     50 Meter westlich des Geisbergerschen Bahnpostens

2.) Obergefreiter K a n t n e r aus Neunkirchen am Großglockner in der Nähe des Himmelfahrtsberghäuschens

3.) Gefreiter Hämmerle aus Lustenau im Salzburgischen, mit Kopfschuß oben in der Schlucht am Förstersteig.

 Diese drei Kameraden habe ich überführen und im Friedhof zu Burgbernheim beerdigen lassen. Ich habe dabei für jeden einen Kranz niedergelegt und eine kurze Ansprache gehalten.

 

 

  

Soldatengrab auf dem Burgbernheimer Friedhof (Aufn. H. Düll 2006) 

 

 

Es fielen im Wildbad:

4.) Obergefreiter Heim

5.) Obergefreiter Unterreiner

6.) Ein nicht zu identifizierender Soldat (Obergefreiter). Er war halb verbrannt, da er in der Nähe der brennenden Scheune gelegen hatte. Diese drei Kameraden ließ ich im Eichenhain bei der großen Wildbadwiese beerdigen. Herr Merkel und Herr Meister hatten ihnen ein würdiges Grab bereitete.

7.) Zwischen dem Gemüsegarten des Herrn Ökonomierates Hans Assel und der Brücke vor dem Hilpertshof ist der Gefreite Fritz N a d l e r gefallen. Diesen haben die Amerikaner wegtransportiert. An der Stelle, an der er fiel, haben die Familien Assel/Breitschwerdt einen Gedenkstein errichtet.